Abstracts in der Wissenschaft

Wer einen wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht, muss ihm eine Zusammenfassung voranstellen. Dies wird fast von allen Redaktionen gefordert. In natur- und sozialwissenschaftlichen Fächern sind die Erwartungen an diese Textsorte sehr eng.

Ausgangspunkt ist für viele Publikationen das Publication Manual der apa (American Psychological Association). Wie man aber im Detail vorgehen soll, wird einem nur selten gesagt. Deshalb hier eine Anleitung. Wer sie ergänzen oder in Frage stellen möchte, ist eingeladen, die Kommentarfunktion zu benutzen.

 

1. Aufbau

Für den Aufbau kann das folgende Modell zur Orientierung dienen. Es ist ausführlich und kombiniert verschiedene existierende Modelle. Deshalb kann man je nach Fach und Methode auch einzelne Teile weglassen. Zudem wird es  immer Unterschiede geben, je nachdem, um welche Art des Vorgehens es sich handelt (z.B. um einen Bericht von einer empirischen Untersuchung oder um eine Abhandlung über die theoretischen Grundlagen des Fachs).

1.1 Einleitung

Thema

Man weiß wenig über X…
Im Bereich X wird schon länger geforscht….

Motivation

Aber die Frage Y ist immer noch unbeantwortet…
Noch immer fehlt eine Antwort auf die Frage…

Ziel

Das Ziel dieser Untersuchung ist…
In dieser Untersuchung wurde der Frage nachgegangen…

1.2 Verfahren

Art des Vorgehens

Diese Frage soll experimentell/theoretisch/anhand historischer Quellen (usw.)  geklärt werden.

Methoden

Die folgende Methode wurde angewandt…
Die dabei gewählte Versuchsanordnung, die …

1.3 Resultate

Ergebnis (spezifisch)

[Konkrete Resultate der Untersuchung]
[Übersetzung der Resultate:] Dies bedeutet, dass…

 

1.4 Diskussion

Evaluation der Untersuchung

Es zeigt sich also, dass…
Damit ist erwiesen, dass…

Schlussfolgerungen/Ausblick

Die Ergebnisse zeigen, dass in Zukunft …
Diese Studie verbessert die bisherige …

2. Schreibprozess:

Das Abstract wird (wie jede Art der Zusammenfassung/Einleitung/Vorrede usw.) am Schluss geschrieben – also wenn der ganze Artikel fertig ist.

Fangen Sie an, indem Sie jeden Abschnitt bzw. jedes Kapitel des Artikels in zwei bis drei Sätzen zusammenfassen.

Überprüfen Sie das Resultat dann anhand des allgemeinen Modells unter 1. Ergänzen Sie, was fehlt. Streichen Sie, was zum Verständnis der Hauptaussage nicht nötig ist.

 

3. Beurteilungskriterien

Kurz: Ein Abstract soll über den Inhalt informieren. Es entscheidet, ob der Artikel gelesen und weiter verwendet wird. Deshalb ist es nur nützlich, wenn es kurz ist. Gewöhnlich wird die Länge von der Redaktion vorgegeben. (Die apa fordert zur Zeit maximal 250 Wörter).

Vollständig: Ein Abstract lässt sich im Idealfall als Nachricht lesen, ohne dass der Artikel konsultiert werden muss.

Präzise: Die Hauptinformationen werden mit der gleichen Genauigkeit wie im Artikel wiedergegeben. Die Sprache (Terminologie) ist die gleiche. (Keine Umgangssprache, keine Umschreibungen.)

Fair: Wenn Vorarbeiten anderer eine Voraussetzung für die Studie waren, soll dies erwähnt werden.

Klar strukturiert: Das Abstract sollte die unter 1. genannten Bestandteile enthalten (mit Abweichungen je nach Wissenschaftsdisziplin und Vorgehensweise). Es muss sich aber auch am Aufbau des Artikels orientieren.

Verständlich: Das Abstract muss leicht lesbar sein. Es muss dem Bedürfnis des Lesers, sich schnell zu orientieren, entgegenkommen. (Vgl. Regen zur Verständlichkeit geschriebener Texte.)

Überzeugend: Das Abstract sollte möglichst klar sagen, was in der Studie herausgefunden wurde – ohne Vermutungen, Vagheiten, Relativierungen.

4. Links

Auf Websites von Hochschulen und Instituten finden sich Anleitungen zum Verfassen von Abstracts, die zum Teil allgemeiner, zum Teil spezieller gehalten sind. Ich habe mich bei den folgenden orientiert:

http://research.berkeley.edu/ucday/abstract.html

(Hier werden auch Beispiele zitiert.)

http://blog.apastyle.org/apastyle/2011/11/brevity-is-the-soul-of-lingerie-and-abstracts.html

my.ilstu.edu/~jhkahn/APAsample.pdf