Eigene Rede – fremde Rede (2): Klarheit beim Zitieren

Es gibt prinzipiell drei Arten, journalistisch zu zitieren:

(1) direkte Rede, (2) indirekte Rede, (3) Redebericht.

…und Hunderte von Mischformen.

Wer in seinen Text Klarheit bringen will, sollte die drei Hauptformen beherrschen und von den Mischformen die Finger lassen.

Direkte Rede bedeutet: So, wie es gesagt wurde, steht’s zwischen Anführungszeichen.

Indirekte Rede ist eine Neuformulierung im Konjunktiv – möglichst so, wie es gesagt wurde.

Redebericht ist eine Wiedergabe der sprachlichen Handlung – verdichtet und in eigenen Worten.

Das soll hier anhand eines Beispiels (auf Grund der Sendung SWR Leute vom 15.11.2012) durchgespielt werden:

(1) Direkte Rede:

Dr. Manuel Vermeer, Sinologe und Unternehmensberater, erklärt deutschen Unternehmern, was sie in China erwartet. “Meine Aufgabe ist es, als Mediator unterwegs zu sein.“

Wir gehen davon aus, dass er genau das gesagt hat.

In einem Bericht über die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Deutschen und Chinesen kann das eine längere Erklärung auf den Punkt bringen.

(2) Indirekte Rede:

Manuel Vermeer sagt, seine Aufgabe sei es, als Mediator unterwegs zu sein.

Das Problem ist nur, dass „unterwegs zu sein“ ein metaphorischer Ausdruck ist, der zwar ganz gut zum Interviewten passt; aber er ist stilistisch markiert. Im Berichttext wirkt er mit großer Sicherheit etwas merkwürdig. Denn die indirekte Rede nutzt den Wortschatz des Autors, nicht des Interviewten!

Also ist eine leichte Umschreibung besser:

Manuel Vermeer sagt, er sei Mediator.

(3) Redebericht

Diese letzte Version klingt sehr einfach. Zu einfach, als dass man diese drei Wörtchen als Zitat lesen möchte. Man ist versucht, sie etwas aufzupeppen und gleich die Erklärung einzubauen dass er so etwas Ähnliches wie ein Mediator meint:

Manuel Vermeer sagt, er sei eine Art Mediator.

Schon besser – nur hat er nicht „eine Art“ gesagt. Ohne Rückfrage ist diese Abschwächung nicht ganz fair. Deshalb gibt es eine Form der Redewiedergabe, die noch mehr Freiheit als die indirekte Rede erlaubt – den Redebericht:

Manuel Vermeer bezeichnet sich als Mediator.

Manuel Vermeer versteht seine Funktion als die eines Mediators.

Manuel Vermeer vergleicht seine Tätigkeit mit der eines Mediators.

Das zentrale Wort „Mediator“ bleibt bestehen. Alles andere ist neu formuliert. Hier wird nicht mehr wiedergegeben, sondern über die Rede berichtet.

Der Gag bei all dem ist also, dass die Grenze zwischen eigener und fremder Rede mit den drei Formen unterschiedlich klar gezogen wird: Direkte Rede trennt am saubersten. Schon in indirekter Rede ist die Grenze zwischen eigener und fremder Wortwahl nicht mehr klar. Im Redebericht ist schließlich alles eigene Rede des Journalisten.