Eigene Rede – fremde Rede (3): Wenn direkte Rede wie indirekte klingt

Letzte Woche haben 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars „Schreibtraining“ Kommilitoninnen interviewt und sie nach Mitteln gegen Prüfungsangst gefragt.

So sind 25 kurze Texte entstanden. Darin kamen immer Zitate der Interviewten vor. Hier ein Ausschnitt:

„Angst lähmt dich“, erklärt Biologie- und Chemiestudentin Dina L. (25) und fügt lächelnd hinzu, „dass es keinen Sinn macht, aufgeregt zu sein, weil es die Situation nicht verbessert“.

Ich habe die Passage: …dass es keinen Sinn macht… angestrichen und der Verfasserin dazu geschrieben, sie solle sich klar für direkte oder indirekte Rede entscheiden. Sie schrieb mir zurück, Dina L. habe dies wortwörtlich gesagt: „Man muss bedenken, dass es keinen Sinn macht, aufgeregt zu sein, weil es die Situation nicht verbessert.“ Also sei die Passage dass es keinen Sinn macht… direkte Rede und deshalb gehörten die Anführungszeichen hin.

Warum geht es trotzdem nicht?

Weil diese Passage die formalen Merkmale indirekter Rede hat. Damit werden im Text gleichzeitig direkte und indirekte Rede signalisiert. Das irritiert den Leser.

Und hier die Erklärung Schritt für Schritt:

Im Interview sagt Dina also:

Man muss bedenken, dass es keinen Sinn macht, aufgeregt zu sein, weil es die Situation nicht verbessert. Am einfachsten (mal abgesehen davon, ob es schön klingt oder nicht) wäre es, so zu zitieren:

… erklärt Dina und fügt lächelnd hinzu:“Man muss bedenken, dass es keinen Sinn macht, aufgeregt zu sein, weil es die Situation nicht verbessert.“ (Direkte Rede.)

Da ist alles noch in Ordnung. Nur ist das Zitat etwas lang. Deshalb ist es verständlich, dass die Autorin den ersten Teil des Zitats weglässt:

… erklärt Dina und fügt lächelnd hinzu, „dass es keinen Sinn macht, aufgeregt zu sein, weil es die Situation nicht verbessert.“

Von der Schreiberin aus gesehen ist das immer noch direkte Rede. Aber der Leser merkt das nicht mehr. Denn ein Satz, der mit dass anfängt, wird automatisch als Nebensatz interpretiert. Und weil Dina hier keinen Hauptsatz mehr macht, wird er als Nebensatz des Satzes der Journalistin (fügt lächelnd hinzu…) verstanden.

Um diese Interpretation zu verhindern, hat sie die Anführungszeichen gesetzt. Aber das reicht nicht. Es ist als Signal zu schwach, weil es viele Sätze mit: …fügt hinzu, dass… gibt. Zudem kommt bei der Redewiedergabe dass (ohne Konjunktiv) oft vor – besonders in der Umgangssprache:

Sie sagt, dass sie den Pulli morgen kauft.

Übliche Lösungen wären:

… erklärt Dina und fügt lächelnd hinzu, es mache keinen Sinn, aufgeregt zu sein, weil es die Situation nicht verbessere.“

… erklärt Dina und fügt lächelnd hinzu: „Es macht keinen Sinn, aufgeregt zu sein, weil es die Situation nicht verbessert.“

So viel darf man ohne weiteres verändern. Tolerierbar wäre sogar die Form:

… erklärt Dina und fügt lächelnd hinzu: „Es macht keinen Sinn, aufgeregt zu sein. Das verbessert die Situation ja nicht.“

Ich würde sogar noch das akzeptieren:

… erklärt Dina und fügt hinzu: „Es macht keinen Sinn, aufgeregt zu sein.“ Sie lächelt: „Das verbessert die Situation ja nicht.“

Dafür hätte ich allerdings im Ernstfall gerne das OK der Gesprächspartnerin, weil es nicht mehr unbedingt ihr Stil ist. Aber den Text würde es lesbarer machen (weil die beiden Aussagen getrennt wären).